Persönlichkeitsentwicklung

Winter Arc: Wofür stehst du morgens eigentlich auf?

28. Oktober 2026

< 1 Min. Lesezeit
Eine Person läuft früh am Morgen durch eine Allee, Sonnenstrahlen fallen durch den Nebel

Inhaltsverzeichnis

Die Uhren sind zurückgestellt, die ersten Nächte werden kühl, die Winterreifen sind aufs Auto gewandert. Das ist einfach eine andere Zeit, und sie hat ihren eigenen Reiz. Im Netz läuft sie unter dem Namen „Winter Arc“. Die Frage dahinter ist älter als jeder Trend: Wofür stehst du morgens eigentlich auf, wenn es draußen noch dunkel ist?

Was hinter dem Winter Arc steckt

„Winter Arc“ ist ein Social-Media-Trend. Laut einem Bericht von 20 Minuten vom 30. September 2025 läuft er vom 1. Oktober bis zum 31. Dezember und soll die Selbstverbesserung vorziehen, statt auf die Neujahrsvorsätze zu warten. Genannt werden früh schlafen gehen, kalt duschen, weniger Handy, Sport, Journaling und Selfcare.

Die Psychotherapeutin Romina Reginold sieht in dem Artikel zwei Seiten. Solche Trends können Struktur geben und dem Alltag einen positiven Sinn. Sie können aber auch Druck erzeugen, weil man das Gefühl bekommt, ständig an sich arbeiten zu müssen und nie nachlassen zu dürfen. Studien zum Trend selbst führt der Artikel nicht an.

Meine Woche: kein Arc, sondern Krankheit und Familie

Einen heldenhaften Start in die dunkle Jahreszeit hatte ich diese Woche nicht. Ich war krank und konnte erst jetzt wieder mit dem Training anfangen. Das hat mich ziemlich geärgert. Ich wollte schon in der Woche davor richtig einsteigen und den neuen Familienalltag samt Training einspielen. Genau da hat es mich erwischt, und alles hat sich um eine Woche verschoben. Es war fast eine Kopfsache, dass es ausgerechnet jetzt passiert ist.

Der andere Teil der Woche war schön: viel Zeit mit meiner Familie.

Das erste Training nach einer Krankheit fühlt sich bei mir immer ein bisschen anstrengend an. Man merkt, dass man ein paar Einheiten braucht, um wieder in die Gewohnheiten zu kommen. Trotzdem gehe ich voller Euphorie hinein und habe richtig Bock darauf.

Wann du nach einer Krankheit wieder einsteigen kannst, ist keine Frage für einen Blog. Das klärst du mit deiner Ärztin oder deinem Arzt.

Dunkel, früh, müde: Was die Uhrumstellung auslöst

In der Nacht zum 25. Oktober wurden die Uhren von 3 Uhr auf 2 Uhr zurückgestellt, so news.at in einem Artikel vom 15. Oktober 2026. Dort heißt es auch, je nach Umfrage berichteten etwa 30 bis 32 Prozent der Menschen in den Tagen danach von körperlichen oder psychischen Beschwerden, am häufigsten Müdigkeit, Einschlafprobleme und nachlassende Konzentration. Welche Umfragen gemeint sind, nennt der Artikel nicht. Als Hilfe werden Tageslicht, Bewegung an der frischen Luft und das schrittweise Verschieben der Schlafzeiten vor der Umstellung genannt.

Alfred Wiater, früher langjähriger Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin, hält laut demselben Artikel die bisherige Winterzeit für die Zeit, die den natürlichen Lichtverhältnissen am besten entspricht.

Ich selbst mag die Dunkelheit am Morgen. Ich erledige Dinge, bevor die anderen vermutlich wach sind, und fühle mich dadurch deutlich produktiver. Im 24-Stunden-Dienst ändert sich dabei kaum etwas, ob ich das daheim mache oder im Dienst unterbringen muss.

Winter als Haltung

Die Psychologin Kari Leibowitz hat in Norwegen 238 Menschen in Oslo, Tromsø und auf Svalbard Ende Januar befragt. Die Studie erschien im International Journal of Wellbeing, die Meldung der Stanford University stammt nach der Adresse der Seite vom Dezember 2020. Wer eine positivere Einstellung zum Winter hatte, gab mehr Lebenszufriedenheit, mehr positive Emotionen, mehr psychisches Aufblühen und mehr persönliches Wachstum an.

Die Befragung ist eine Momentaufnahme und zeigt nur einen Zusammenhang. Ob die Haltung zufriedener macht oder zufriedene Menschen den Winter eher mögen, lässt sich daraus nicht ablesen. Leibowitz empfiehlt laut Meldung, klein anzufangen und ein oder zwei positive Seiten des Winters bewusst wahrzunehmen. Draußen aktiv zu sein, auch bei schlechtem Wetter, hält sie für wichtig für Stimmung und Wohlbefinden.

Für mich ist die kalte Jahreszeit einfach eine andere Zeit, die ihren besonderen Reiz hat. Mich reizt vor allem, dass man im Winter noch mehr Disziplin braucht, um bei Dunkelheit und Kälte durchzuziehen, was man sich vorgenommen hat. Ich glaube, dass einen das disziplinierter macht und dass sich das auf andere Lebensbereiche ausweiten lässt. Dazu kommt ein innerer Motivationsschub: Viele mögen diese Jahreszeit und das Wetter nicht, und wenn man selbst trotzdem durchzieht, fühlt man sich allen anderen einen Schritt voraus. Das ist meine Erfahrung und meine Überzeugung, keine Studienlage.

Selbst-Check: Wofür stehst du morgens auf?

Die Frage ist größer als ein Trend, und die Forschung beschäftigt sich damit unter dem Stichwort Lebenssinn. Eine Meta-Analyse von Sutin und Kollegen in der Fachzeitschrift Psychological Medicine (2026) wertet laut Titel veröffentlichte Studien und Einzeldaten von 488.765 Teilnehmenden aus, die bis zu 32 Jahre beobachtet wurden. Es geht um den Zusammenhang von Lebenssinn und Sterblichkeit. Die Originalarbeit war für mich nicht abrufbar. Laut einer Zusammenfassung auf dem Portal Omnicuris geht ein stärkerer Lebenssinn mit einem geringeren Risiko für früheres Sterben einher. Die dort genannten Prozentwerte widersprechen sich je nach Berechnung, deshalb nenne ich sie nicht. Ein Zusammenhang ist auch hier noch keine Ursache.

Meine Antwort auf die Frage: Ich finde, man sollte jeden Morgen mit Spaß am Leben, Energie und Freude aus dem Bett hüpfen. Und wenn das nicht so ist, lohnt sich die Frage, warum eigentlich nicht. Ich schaffe das selbst nicht immer, wahrscheinlich sogar eher selten. Ich versuche, mir diese Energie bewusst anzueignen und jeden Tag ein bisschen besser zu werden, indem ich vieles tue, worauf ich Bock habe. Und ich will mir und den Menschen um mich herum das beste Leben bieten.

Konkret: In den letzten Wochen bin ich oft genug mitten in der Nacht aufgestanden, um dem Kleinen die Windel zu wechseln. Ich habe versucht, das mit einer positiven Einstellung zu tun und nicht genervt zu sein. Und morgens bin ich mit der Motivation in den Tag gestartet, wieder in den Sport zurückzufinden und meine Selbstständigkeit weiter voranzutreiben.

Deine Wochenaufgabe (zehn Minuten): Schreib an drei Abenden hintereinander einen einzigen Satz auf: „Morgen stehe ich auf für …“. Er darf klein sein, etwa der erste Kaffee in Ruhe, ein Spaziergang bei Tageslicht oder eine Viertelstunde für ein Hobby. Lies ihn morgens, bevor du aufs Handy schaust. Am dritten Tag siehst du nach, welche Sätze dich wirklich gezogen haben und welche nur Pflichtprogramm waren. Ein Frühaufsteh-Ziel brauchst du dafür nicht.

Ein Winter Arc braucht keinen Wecker um fünf. Er braucht einen Grund, der morgens wärmer ist als das Bett.

Quellen

  • 20 Minuten: Winter Arc statt Neujahrsvorsätze (Artikel vom 30.09.2025, mit Einordnung der Psychotherapeutin Romina Reginold): 20min.ch
  • news.at: Zeitumstellung 2026, Artikel vom 15.10.2026: news.at
  • Stanford University: Meldung zur Studie von Kari Leibowitz (International Journal of Wellbeing), Adresse datiert 18.12.2020: news.stanford.edu
  • Sutin et al.: Purpose in life and mortality. A meta-analysis of the published literature and individual-participant data of 488,765 participants followed for up to 32 years. Psychological Medicine, 2026, DOI 10.1017/S0033291726104863, PMID 42417009. Original nicht geöffnet, Inhalt laut Zusammenfassung von Omnicuris (20.07.2026): omnicuris.com

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