Was gehört zu den Aufgaben eines Vaters? Lange galt: die Familie versorgen und Stärke zeigen. Daten und Studien liefern eine differenziertere Antwort. Dieser Beitrag ordnet drei Befunde ein: wie Sorgearbeit in Deutschland verteilt ist, welche Männlichkeitsbilder verbreitet sind und welche väterlichen Verhaltensweisen mit der Entwicklung von Kindern zusammenhängen.
Wie Sorgearbeit in Deutschland verteilt ist
Das Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Institut der Hans-Böckler-Stiftung (WSI) hat im Februar 2026 einen Report zur Gleichstellung mit Schwerpunkt Sorgearbeit veröffentlicht. Demnach übernehmen Frauen zwei Drittel der Kinderbetreuung, Männer ein Drittel. Elterngeld beziehen nahezu alle Mütter, aber nur knapp die Hälfte der Väter. Mütter nehmen es meist zehn bis 14 Monate, Väter meist zwei.
Der Report enthält auch Angaben zu Arbeitszeitwünschen. Männer würden im Schnitt gern 4,4 Stunden pro Woche weniger erwerbstätig sein, Frauen 3,8 Stunden. Der Abstand zwischen den Arbeitszeiten von Frauen und Männern sinkt seit rund 15 Jahren leicht, vor allem weil die Arbeitszeiten der Männer zurückgehen.
Welche Männlichkeitsbilder verbreitet sind
Der Männlichkeitsforscher Toni Tholen (Universität Hildesheim) beschrieb im Mai 2026 im Gespräch mit dem Evangelischen Pressedienst ein verbreitetes Muster: Vielen Männern falle zu ihrer Identität oft nur ein: „Saufen und Grölen und den starken Mann markieren“. Daneben beschreibt er Strömungen, die Vaterschaft als gleichberechtigtes Verhältnis der Geschlechter mit emotionaler Zuwendung verstehen.
Zahlen dazu liefert eine Studie aus der Schweiz. Die Universität Zürich stellte im Juni 2026 die Untersuchung „Männlichkeit im Wandel“ vor, eine repräsentative Befragung von über 6.000 Menschen zwischen 18 und 64 Jahren. Laut Medienmitteilung gehören 20 Prozent der Männer zu einer Gruppe mit hohen Werten auf einem Index für einengende und dominante Männlichkeitsvorstellungen, bei den 18- bis 24-Jährigen sind es 31 Prozent. Hohe Werte gehen mit einem erhöhten Risiko einher, in der Partnerschaft Gewalt auszuüben oder zu erleiden. Die Daten stammen aus der Schweiz, und ein Zusammenhang belegt noch keine Ursache. Die Autoren halten fest, dass es nicht die eine richtige Form von Männlichkeit gibt, und empfehlen, früh mit Vätern zu arbeiten.
Was väterliches Verhalten mit der Entwicklung von Kindern zu tun hat
Eine Meta-Analyse in der Fachzeitschrift Early Childhood Research Quarterly (Zheng und Kollegen, Band 74) wertet 65 Studien mit mehr als 154.000 Kindern und 127.000 Vätern aus. Das Original war nicht abrufbar. Die folgenden Zahlen stammen aus dem Bericht eines australischen Väterverbands über die Studie. Danach zeigen Wärme und Ansprechbarkeit des Vaters den stärksten Zusammenhang mit der sozial-emotionalen Entwicklung der Kinder (gewichtete Korrelation 0,18). Direkte Interaktion wie Spielen und gemeinsamer Alltag kommt auf 0,12, Anleitung und Disziplin auf 0,10. Für indirekte Fürsorge, also bezahlen, Termine buchen oder Aktivitäten organisieren, nennt der Bericht keinen messbaren Effekt. Es sind kleine Zusammenhänge, und sie sagen nichts darüber aus, was Ursache und was Wirkung ist.
Aus der Praxis: Haushalt, Einkaufen und Windelwechseln, auch nachts, gehören bei uns zu meinen Aufgaben. Stillen und die Rolle der Mutter kann ich nicht ersetzen. Jeden Morgen und jeden Abend sprechen wir diese Sätze durch: „Ich bin groß, ich bin stark, ich bin nett, ich bin dankbar, ich bin neugierig. Ich kann alles schaffen, was ich will. Mami und Papi haben mich ganz doll lieb.“
Was sich daraus ableiten lässt
Aus den Daten folgt keine einzelne Aufgabe, die Väter erfüllen müssten. Sie sprechen aber dafür, Fürsorge als gemeinsame Aufgabe mit direktem Kontakt zum Kind zu verstehen, denn Wärme, Ansprechbarkeit und direkte Interaktion zeigen in der Meta-Analyse die stärksten Zusammenhänge, indirekte Fürsorge keinen messbaren.
Selbst-Check: Welchem Rollenbild folgt dein Alltag, ohne dass du es gewählt hast?
Die Frage lässt sich beantworten, wenn man sie konkret macht. Deine Aufgabe für diese Woche: Schreib fünf Aufgaben auf, die in deiner Familie jede Woche anfallen, etwa Wäsche, Einkauf, Arzttermine, nächtliches Aufstehen oder die Organisation von Kita und Schule. Markiere bei jeder, wer sie übernimmt und ob dahinter eine bewusste Absprache oder eine Gewohnheit steht. Besprecht das Ergebnis anschließend in zehn Minuten.
Quellen
- Pfahl, Unrau, Lott: Stand der Gleichstellung von Frauen und Männern in Deutschland, Fokus Sorgearbeit. WSI Report Nr. 109, Hans-Böckler-Stiftung, Februar 2026. Pressemitteilung vom 24.02.2026: boeckler.de
- Universität Zürich, Jacobs Center: Medienmitteilung zur Studie „Männlichkeit im Wandel“ (französische Fassung), 16.06.2026: news.uzh.ch. Einordnung bei SRF, 17.06.2026: srf.ch
- Toni Tholen im epd-Gespräch, evangelisch.de, 08.05.2026: evangelisch.de
- Zheng, Cai, Huang, Huang, Ni: Father's involvement is critical in social-emotional development in early childhood: A meta-analysis. Early Childhood Research Quarterly, Band 74, DOI 10.1016/j.ecresq.2025.08.001. Zahlen laut Bericht von Dads4Kids vom 23.07.2026: dads4kids.org.au. Original nicht geöffnet.



